Plastikfischen für unsere Klamotten

Plastik zu vermeiden macht eindeutig Sinn. Doch was machen wir mit dem ganzen Müll, der schon jetzt im Meer schwimmt? Eine Möglichkeit ist es ihn wieder herauszufischen und zu Kleidern und Schuhen zu verarbeiten – und das machen nicht etwa nur einzelne Fischer, sondern weltweit bekannte Marken.

Beim shoppen nebenbei die Welt retten – das klingt gut und es steckt zumindest ein Kern Wahrheit darin. Denn auch die größten Unternehmen reagieren auf Kundenwünsche und können den Trend zu mehr Nachhaltigkeit nicht komplett ignorieren. Daraus entstehen teils innovative Ideen , wie beispielsweise Klamotten aus Fischernetzen und alten PET-Flaschen. Doch sind die Projekte mehr als nur Greenwashing?

Ein zweites Leben für PET und Fischernetze

Die Denimmarke G-Star hat damit begonnen und Firmen wie Adidas ziehen nach, mit Kleidern und  Schuhen aus Meeresmüll. Ihre Idee ist eigentlich naheliegend: statt aufwendig neuen Kunststoff zu produzieren, recyclen sie bereits vorhandenen. Dadurch soll weniger Erdöl verbraucht , CO2 eingespart und gleichzeitig auch noch das Meer gesäubert werden.

Adidas-Schuhe könnten in Zukunft aus alten Fischernetzen bestehen. // Quelle: Adidas
Adidas-Schuhe könnten in Zukunft aus alten Fischernetzen bestehen. // Quelle: Adidas

Für diese grüne Kleidung sammeln Meeresschutzorganisatoren Müll aus dem Meer und von Stränden ein, der später von Firmen sortiert wird. Verwertbar sind beispielsweise PET-Flaschen oder Fischernetze, die sich gut weiterverarbeiten lassen. Diese Plastikreste werden in kleine Kunststoffflakes zerhäckselt, erhitzt und lassen sich so wieder zu neuen Textilfasern verarbeiten, aus denen beispielsweise Fleece entsteht.

Mode aus Meeresplastik liegt im Trend

Und die Idee der Recyclingfasern scheint sich durchzusetzen. Während G-Star inzwischen schon mehrere sogenannte raw for the oceans Kollektionen heraus gebracht hat, kleidete Adidas im November sogar den FC Bayern München erstmalig mit der innovativen Spielbekleidung aus. Die Teamtrikots bestehen jetzt zu 100 Prozent aus Meeresplastik. Zudem existiert auch schon der Prototyp eines nachhaltigen Sportschuhes, dessen Obermaterial aus alten Fischernetzen hergestellt wurde. Die Sohle ist allerdings nach wie vor aus herkömmlichem Kunststoff.

Für ihre nachhaltige Kleidungslinie arbeiten die Firmen G-Star und Adidas mit der Meeresschutzorganisation Parley for the Ocean zusammen. Für die Organisation ist Plastik selbst ein Designfehler, der fatale Folgen für unsere Umwelt hat. Denn er gefährdet die Gesundheit von Meerestieren, verbreitet Chemikalien in der Umwelt und gelangt in unseren Nahrungskreislauf. Deswegen unterstützen sie die Entwicklung alternativer Materialien, wie die Recyclingkleidung aus dem Ozean.

Allerdings ist dieser Abfall aus dem Meer nicht sortenrein. In den Fangnetzen der Plastikfischer landen die unterschiedlichsten Kunststoffsorten, verschiedenen Alters. Das macht die Weiterverabeitung schwieriger und kann laut Kritikern sogar dazu führen, dass wiederum mehr Energie und Chemie eingesetzt werden muss, um ein gutes Produkt herzustellen.

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Die Ausbeute aus dem Meeresmüll besteht leider nicht nur aus hochwertigem Plastik. // Quelle: Hanna Diewald

Zudem wird das Kunststoffrecycling und die Weiterverarbeitung nicht unbedingt an einem Ort durchgeführt. Wenn die PET-Flasche im Atlantik gesammelt, in China verarbeitet und als Fleecejacke wieder nach Deutschland verschifft wird, ist das natürlich nicht ressourcensparend. Dass es auch anders geht zeigt aber beispielsweise Javier Goyeneche mit seinem kleinen Unternehmen Ecoalf. An der spanischen Küste sammeln Fischer für ihn Plastik ein, dass später in der direkten Umgebung zu Kleidung weiterverarbeitet und verkauft wird.

Hauptsache Aufmerksamkeit

Trotzdem sorgen solche Recyclingaktionen alleine nicht dafür, dass unser Meer bedeutend sauberer wird. Das liegt schon alleine daran, dass in den Netzen nur große Plastikteile gefangen werden können und nicht die ebenso gefährlichen Mikroplastikpartikel. Deswegen sieht auch Parley for the Oceans im recycelten Plastik nicht die einzige Alternative. Trotzdem ist  ihrer Meinung nach ein sexy Produkt, das auch noch ökologisch ist, die beste Werbung für den Schutz der Meere. Und gerade deswegen haben Ozeanmüll-Kollektionen wahrscheinlich auch Potential. Denn sie bringen global agierende Konzerne dazu, mit Meeresschutzorganisationen zusammen zu arbeiten und etwas Verantwortung für ihre Produkte zu übernehmen – auch wenn hier bei manchen Unternehmen noch viel Luft nach oben ist.

Konsumenten stoßen Werbekampagnen außerdem darauf in welchem schlechten Zustand unsere Meere sind und bewegen uns vielleicht dazu unser Kaufverhalten zu überdenken. Und deswegen müssen wir nicht einmal unbedingt G-Star oder Adidas kaufen – es hilft auch Kleidung nicht nach einer Saison wegzuwerfen oder einfach alternative Materialien zu tragen. Zum Beispiel Kleidung aus Milch, Kork oder Algen. Aber dazu mehr in unseren nächsten Beiträgen.

 

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