Altes neu entdeckt – Trendmaterial Biokunststoff

Die Vorteile von Plastik sind eindeutig. Es ist super leicht, haltbar lässt sich in jede erdenkliche Form bringen und ist gleichzeitig auch noch günstig. Kein Wunder also, dass für viele Unternehmen Kunststoff immer noch das Verpackungsmaterial Nummer eins ist. Gleichzeitig steht die Verwendung von Plastik jedoch im Widerspruch zum wachsenden Umweltbewusstsein der Menschen. Deswegen gibt es seit einigen Jahren einen Trend: Bioplastik – ein uraltes Material, das jetzt eine Renaissance erlebt.

Unter Biokunststoff stellen sich viele Menschen ein Trendmaterial unserer Zeit vor – neu erfunden um erdölbasiertes Plastik zu ersetzen. Dabei sieht die Realität ganz anders aus. Denn tatsächlich gab es Biokunststoff schon lange vor dem Boom der Petrochemie. Den ersten nahen Verwandten des Biokunststoffes kannten und nutzten die Mayas wahrscheinlich schon vor mehr als 1500 Jahren – den Naturkautschuk.

Latex wird bis heute hauptsächlich aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis gewonnen // Quelle: CC BY-SA 3.0
Latex wird bis heute hauptsächlich aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis gewonnen // Quelle: CC BY-SA 3.0

Dazu gewannen sie Milchsaft aus speziellen Bäumen und ließen diesen an der Luft trocknen. Unter anderem formten sie aus dem Gummi angeblich Bälle, mit denen sie Spiele zu Ehren ihrere Götter abhielten. Bis heute wird Naturkautschuk aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis gewonnen und zu diversen Produkten weiterverarbeitet. Vom Autoreifen bis hin zum Gummihandschuh.

Doch auch die ersten technisch hergestellten Kunststoffe, die im 19. Jahrhundert entstanden, waren Biokunststoffe, so beispielsweise das Celluloid. Ein Kunststoff, der auf Basis der sogenannten Schießbaumwolle hergestellt wurde und unter anderem als preiswerte Alternative für Elfenbein entwickelt wurde. Es zeigte sich jedoch schnell, dass das wandelbare Celluloid noch deutlich mehr kann. So kam er auch bei Kamerafilmen, Brillenfassungen oder Spielzeug zum Einsatz und bis heute werden beispielsweise Tischtennisbälle aus Celluloid hergestellt. Und Celluloid war nicht der einzige Biokunststoff seiner Zeit. In der Folge entstanden noch einige andere Kunststoffarten auf Basis von Cellulose. Doch mit dem Erdölboom wurden diese Biokunststoffe zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitestgehend vom Markt verdrängt.

Bio ist nicht gleich Bio

Doch wie sieht die Situation heute aus? Biokunststoff kommt zwar weltweit nur auf rund ein Prozent Marktanteil doch die Nachfrage steigt stetig. Selbst der Konzern Coca Cola füllt sein Vio-Wasser in Biokunststoffflaschen ab. Gleichzeitig gibt es Kaffeekapseln aus Bioplastik, Einweggeschirr und Fachleute diskutieren ob Biokunststofftüten tatsächlich ökologischer sind als herkömmliche. Der Produktvielfalt scheinen demnach also keine Grenzen gesetzt. Was zeichnet Biokunststoff also aus?

Der meistverbreitetste Biokunststoff der Welt, das Bio-PET wird in der Regel aus Zuckerrohr hergestellt. // Quelle: CC BY-SA 3.0
Der meistverbreitetste Biokunststoff der Welt, das Bio-PET wird in der Regel aus Zuckerrohr hergestellt. // Quelle: CC BY-SA 3.0

Grundsätzlich bezeichnet man alle Kunststoffe, die auf der Basis erneuerbarer Rohstoffe entstehen als Biokunststoff. Das kann zum Beispiel Zuckerrohr sein, Mais, Hanf oder Milch. Diese Rohstoffe ersetzen also das Erdöl und haben deshalb einen umweltverträglicheren Ruf. Ob die Kunststoffe dem tatsächlich gerecht werden hängt jedoch von der genauen Art des Plastik und dem Verwendungszweck ab. Denn damit ein Biokunststoff als solcher gilt muss er nicht vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Die Vio-Flasche besteht beispielsweise nur zu einem Anteil von 14 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und ist nicht biologisch abbaubar. Bei der Flasche wird also Erdöl eingespart, es ist aber wie beim herkömlichen Kunststoff wichtig sie richtig zu entsorgen, damit sie recycelt werden kann. Kritiker bemängeln bei diesen Biokunststoffen , dass manche Rohstoffe auch als Lebensmittel verwendet werden, was die wie schon vom Biosprit bekannte Tank gegen Teller Diskussion anheizt. Eine Lösung hierfür bieten biobasierte Kunsttoffe aus Abfällen oder ungenießbaren Rohstoffen sein, die schon einige Hersteller entwickeln.

Hauptsache kurzlebig

Neben dem Ausgangsstoff von Kunststoffen ist jedoch auch entscheidend, ob diese biologisch abbaubar sind. Denn gerade die teils jahrhunderlange Haltbarkeit von Plastik in der Umwelt ist ein Problem. Eine nachhaltige Lösung für die Zukunft sind demnach Biokunststoffe, die auch vollständig biologisch abbaubar sind. Diese Art von Plastik wird beispielsweise schon häufig in der Landwirtschaft, in Form von Mulchfolien verwendet, die auf dem Acker liegen bleiben können. Doch auch Einweggeschirr, Medizinprodukte oder Müllbeutel bestehen schon teilweise aus diesem Biokunststoff.

Materialien mit diesem Logo sind zwar biologisch abbaubar, sie sollten aber trotzdem nicht auf den heimischen Kompost. // Quelle: DIN CERTCO

Verbraucher erkennen ihn auch am Keimling-Logo. Dieses weist darauf hin, dass eine Verpackung in den Bioabfall darf. Auf dem Kompost sollte der Plastik allerdings trotzdem nicht entsorgt werden, da er sich teilweise nur unter ganz bestimmten Bedingungen wie Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit auch tatsächlich vollständig zersetzt. Lediglich das „OK composthome – Logo“ zeigt an, wenn Biokunststoff auch auf den heimischen Kompost darf.

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